Münchener Bachchor
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Konzertkritiken
Mozart in aller gebotenen Pracht
Festliche Klänge mit dem Münchner Bach-Chor und -Orchester zum Ausklang der Herbstfestspiele
„... Kernstück des Abends war die c-Moll Messe in der von Robert Levin ergänzten Fassung. Hansjörg Albrecht und der von ihm gut einstudierte Münchener Bach-Chor loteten den beträchtlichen Facettenreichtum des Stückes aus. Zusammen mit dem Münchener Bach-Orchester verliehen sie dem Kyrie einen überraschend düsteren Ausdruck. Umso stärker hob sich der strahlende Beginn des Gloria ab. Dieser textreiche Teil der Messe wurde in der Wiedergabe abwechslungsreich gestaltet. … Auch das Credo erhielt nicht zuletzt dank der intonationssicheren Blechbläser des Orchesters einen glanzvollen Beginn. Das doppelchörige Sanctus wurde von Albrecht, dem Münchener Bach-Chor und dem Münchener Bach-Orchester in aller gebotenen Pracht zelebriert. Die Solopartien waren hochkarätig besetzt. Marlis Petersen, Simone Kermes, Klaus Florian Vogt und Stephan Genz machten aus dem „Benedictus“-Quartett ein musikalisches Kabinettstückchen.“ (Nike Luber, Badisches Tagblatt, 03.11.2011)
Schwere Leichtigkeit
Ein Mozart-Abend mit Marlis Petersen und anderen renommierten Musikern
„... Genau wie das ... Münchnener Bach-Orchester. Unter der Leitung seines Chefs Hansjörg Albrecht musizierte es grundsätzlich schön und auf hohem Niveau: weich, schwingend, mit "historisch informiertem" entschlacktem Klang. ... Der Münchener Bach-Chor zeigte mit präzisem und flexiblem Gesang hohe Qualitäten“ (Badische Neuste Nachrichten, 03.11.2011)
Die Societé dei Concerti entdeckt Braunfels' Talent
„Braunfels ... trat in der tief bewegten und dramatischen Interpretation durch die Sopranistin Sibylla Rubens und das Münchener Bach-Orchester unter Hansjörg Albrecht in vollem Glanz hervor. Seine praktisch unbekannten "Drei chinesischen Gesänge op. 19" inspirieren sich aus der Sammlung "Chinesische Flöte" von H. Bethge, die auch Mahler zum "Lied von der Erde" angeregt hat. Pathos und großartige expressionistische Farben: für Braunfels, als "Halbjude" zum Schweigen verdammt, eine gerechte Entschädigung im Zeichen eines Genies, das aus jedem Takt der Partitur leuchtete.“ (Andrea Bambace, Alto Adige, 16.10.2011)
Die Kraft der Berührung
"Das Lied von der Erde" überragend mit dem Münchner Bach-Orchester unter Hansjörg Albrecht
„... Wenn Richard Wagner postuliert, dass "die Tonsprache Anfang und Ende der Wortsprache" sei, dann ist Mahlers "Lied von der Erde" ein fortgesetztes Siegel der Endlichkeit - und das wird zum ergreifendsten Erlebnis, wenn Hansjörg Albrecht seine wunderbare Version für vier Solisten und Kammerorchester in einer memorablen Interpretation aufführt. Zunächst spielen alle im Orchester und die Solisten mit der Kraft der Berührung wie von der Beglückung in den Arm genommen, weil Albrecht jedes Instrument zu wundervoller Phrasierung anleitet und damit fantastische Artikulationen einfängt. Einfach alles Mahler, großer Mahler, denn in den Zwischenspielen und auch bei den Singstellen entstehen Traumdialoge wie trillernde und andere Naturlaute mit mahnender Vergänglichkeit. ... "Der Abschied" wir durch den tiefsinnig kultivierten Bariton Markus Eiche zum melancholischen Endspiel bis die leise Celesta das unendlich Leere ankündigt!“ (C.F. Pichler, Dolomiten, 15.10.2011)
Das Ganze der Welt umfassen
Auferstehungssinfonie von Gustav Mahler in der Landsberger Stadtpfarrkirche
„Das Orchester „Symphonie Prag" spielte hervorragend, der LandsbergChor unterstützt durch den renommierten Münchner Bach-Chor schuf einen wunderbaren Klangteppich auf dem sich die Solisten entfalten konnten. Die Mezzosopranistin und Wagner- und Mahlerinterpretin Alexandra Petersamer überzeugte mit ihrer warmen, klaren Stimme. Ein gewaltiger, mächtiger Schluss mit Orgel (Hansjörg Albrecht) überwältigte die Zuhörer. Tosender Beifall und stehende Ovationen.“ (Augsburger Allgemeine, 10.09.2011)
Schwergewicht aus München bringt Leichtigkeit ins Spiel
„... Mit dem Münchner Bach-Orchester kam ein Schwergewicht auf diesem Gebiet nach Quedlinburg. ... Mit Vitalität, Spielfreude und solistischer Perfektion sowie im Ensemble-Spiel bestens aufeinander eingehend erklang ein Bach, der ohne Modernisierungsdrang im Heute ankommt. Da schwappt Temperament durch die Kirche, auf den Punkt musiziert und opulent, ohne in die gelegentlich gehörte Passionsschwere zu verfallen.
Albrecht, selbst am Cembalo agierend, feilt mit seinen Musikern viele Details des Notenmaterials heraus, verliert sich jedoch nicht in klanglichen Verästelungen. Das Ensemble beweist gerade in den Ouvertüren ein sicheres Gefühl für Tempi und profiliert jeden einzelnen Tanz ... eine traumhafte Weltabgewandheit von porzellanartiger Zerbrechlichkeit im als Barock-Hit geltenden Air der folgenden Suite Nr. 3. Henrik Wiese konzertiert in der h-Moll-Suite mit seiner Flöte in den fließenden Läufen meisterhaft. Der klangliche Gipfel war dabei wohl die Badinerie mit ihrer atemberaubenden Schnelligkeit. Verdient empfing er dafür stürmische Ovationen.“ (Uwe Kraus, Mitteldeutsche Zeitung, 21.06.2011)
Mit wachsendem Vertrauen
Matthäus-Passion, Müchner Philharmonie
„... Der beeindruckende Chor zeigte exemplarisch, wie man innere Wirkung ohne ausgestellten Aufwand erzielt. Ob Heftigkeit im Rollenspiel als aufgebrachte Masse, ob Innerlichkeit der ungemein sprachnahen Choräle: Alles kam unverstellt auf seinen menschlichen Nenner gebracht. Die schönste Ovation: langes, ergriffenes Schweigen.“ (Thomas Willmann, Münchner Merkur, 26.04.2011)
Münchener Rundfunkorchester und Münchener Bach-Chor beim Abschlußkonzert des "Heidelberger Frühlings" in der Stadthalle
„... Jäh schlugen die Stimmungen um bei der Heidelberger Aufführung mit dem Münchener Bach-Chor und BR-Rundfunkorchester bei Pärts "Credo". Zwischen wohlige, reduzierte Klänge schoben sich obsessiv hämmernde Verdichtungen, gellende Aufschreie und stürzende Glissandi ... Überaus klangstark und detailliert in den polyphonen Verflechtungen sang der Münchener Bach-Chor und das handverlesene Solistenquartett mit Melanie Diener, Christa Mayer, dem vorzüglichen Herbert Lippert und Konrad Jarnot ließ die "Ode an die Freude" gleichfalls zum berauschenden Hymnus werden.“ (Rainer Köhl, Rhein-Neckar-Zeitung, 19.04.2011)
Ergreifend
Johannes-Passion des Bach-Chors

„... Hansjörg Albrecht inszeniert Bachs Johannes-Passion als geistliches Drama. ... Nicht nur geistliche Inbrunst, sondern veritables Opernbrio, samt vieler dynamischer Stufungen und Tempotönungen. Man könnte ihm durchaus eine romantische Phase seiner Bach-Interpretation attestieren, aber andererseits verzichtet er keineswegs auf Errungenschaften der "historisch informierten" Praxis: kleine Besetzung und subtile Continuogruppe, kaum Vibrato und durchsichtiges Klangbild. Der Münchner Bach-Chor strahlte in den Sopranen und vertiefte sich in alle Nuancen von Albrechts phantasievoll kommentierenden Choralkünsten.“ (Klaus-Peter Richter, Süddeutsche Zeitung, 23.03.2011)
Erlöserkirche: „Johannes Passion“ mit dem Bach-Chor
Die grelle Klarheit des Herrn leuchtet

„... Musikalisch war der verjüngt-verschlankte Bach-Chor wunderbar aufgestellt – auch mit den Männerstimmen höher in der Altarnische, so dass sie sich besser durchsetzten gegen die weibliche Dominanz. Ein stimmstarker Jesus (Christian Immler) triumphierte von der Kanzel, der stimmschöne Bass (Klaus Häger) und der klare, bravouröse Erzähler-Tenor (Sebastian Kohlhepp) machten die Leidensbotschaft in dieser frühen Passionszeit zum Genuss. ...“ (Adrian Prechtel, Abendzeitung, 21.03.2011)
Münchener Bach-Chor begeistert sein Publikum
„... von hoher Qualität war die Aufführung der Carmina Burana mit dem leidenschaftlich wie perfekt intonierenden Chor und den Solisten Tenor Robert Sellier, Bariton Gerard Kim sowie Sopranistin Victoria Varga unter Leitung von Hansjörg Albrecht ...“ (Münchner Merkur, 02.03.2011)
So recht, ihr Engel, jauchzt und singet!
„... Völlig in seinem Element, agierte Albrecht am Cembalo stehend mit den 63 Sängern seines Münchner Bachchors und dem Bach-Collegium mit der stärksten, abwechslungsreichsten Bassgruppe. Blitzschnell wechselte er zwischen minimalistischer Orchesterleitung, souveränem Rezitativ-Dirigieren, beflügelnder Chorführung und impulsgebendem Continuospiel. Wohltuend voll im Klang, beachtlich flexibel und sehr gut textverständlich musizierte hier auch der Chor...“ (Lennart Schneck, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.01.2011)
Klarheit und Überwältigung
„... Hansjörg Albrecht hat jetzt die geniale Balance der Interpretation gefunden: der Bach-Chor leicht verschlankt, die Solisten perfekt stimmlich und theatralisch ohne Opernhaftigkeit und zu solcher Innigkeit fähig, dass selbst in der nüchternen Gasteig-Atmosphäre viele mit den Tränen rangen. Bei den Chorälen wagt Albrecht dynamische Dramatik, die dem Textinhalt folgt. Jauchzender Jubel, euphorische Stimmung...“ (Adrian Prechtel, Abendzeitung, 21.12.2010)
In aller Pracht
„... und wahrlich prachtvoll präsentierte sich aus diesen berufenen Kehlen bereits der von tönenden Pauken und schallenden Trompeten begleitete Eingangschor. Mächtig vorangetrieben von Hansjörg Albrecht. ... Über welch außerordentliche Qualitäten nicht nur der textdeutliche Chor sondern im Besonderen auch das historisch informierte Bach-Collegium verfügt, zeigte sich wieder einmal während der Arien, wenn die Musiker auch solistisch zum Einsatz kamen und mit den Sängern in Dialog traten.“ (Tobias Hell, Münchner Merkur, 21.12.2010)
Ein Konzert von grandioser Intensität
„... Schlussendlich führte der 60 Sänger und Sängerinnen umfassende Chor Arnold Schönbergs „Friede auf Erden" auf. Für den perfekt und überaus homogen auftretenden Klangkörper war es eine offizielle Erstaufführung. Max Reger schuf mit seinen „Acht geistlichen Gesängen Op. 138" eines seiner bedeutendsten Chorwerke, und Brahms' Motette „Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen" Op. 74,1 gehört zu bekanntesten Motetten des Meisters. Nicht nur die dynamischen Nuancen waren hier bis ins Feinste durchdacht. Es waren vor allem die makellose Koordination der Stimmen, die dem Chorvortrag seine grandiose Intensität verlieh ... “ (Egon Hempel, Münchner Merkur, 24.11.2010)
Echtes Ereignis
„... Einmal mehr bewies der Münchener Bach-Chor unter Hansjörg Albrecht: Die wahre, innere Größe von Musikdenkmälern wie Händels „Messias" braucht keinen Aufmarsch von Hundertschaften. ... Man war ungetrübt begeistert, wie straff und geordnet etwa in „All we like sheep" die Schäfchen in die Irre liefen. Man spürte das fast Fieberhafte der Fugen. Wenn Blechbläser zum Bach Collegium hinzutraten, wenn die Orgel den Bass dröhnen ließ, war es ein echtes Ereignis. Kluger Kontrast statt Überwältigungsästhetik auch im „Hallelujah": Ein bis in die Pauke hinein fein gestaffeltes Laut-Leise-Wechselspiel und damit wieder frisch - wahre Herrlichkeit, wahre Freude. ...“ (Thomas Willmann, Münchner Merkur, 20.10.2010)
Agiler „Messias"
Händels Oratorium als große Analyse
„... Das Tempo aber, das Dirigent Hansjörg Albrecht in der Philharmonie hierbei dem Münchener Bach-Chor und dem Bach Collegium München vom Cembalo aus vorgibt, ist äußerst erfrischend. Er weiß, was er seinem Chor an Agilität abverlangen kann, und insbesondere die Sopran-Sängerinnen meistern die noch so geschwinden Passagen mit bestens trainiertem Zwerchfell. ..... Damit soll keineswegs gesagt sein, hier würde Händels Oratorium mit verbissener Stringenz durchgepeitscht. Vielmehr entsteht der Gesamteindruck einer sehr analytischen Herangehensweise. Albrecht entwickelt die Musik, stellt neben dem inhaltlichen Ausdruck das Aufzeigen musikalischer Strukturen in den Vordergrund. .... Albrecht gelingt mit hochkonzentriert verfolgtem Interpretationsplan ein intensives, gehaltvolles Musizieren.“ (Andreas Pernpeintner, Süddeutsche Zeitung, 20.10.2010)
Das Bluval-Bach-Experiment
Versuch geglückt: Ein veroperter Meister in der Strauhinger Ziegelei
„... Für Straubing und sein BluvalFestival erstellte Albrecht eine leicht veränderte Fassung, die das Szenische intensivierte. Mit diesem gut zweistündigen Opernpast.iccio ist ihm der musikalische Beweis für Bachs Opernfähigkeit gelungen. ... Insgesamt war die Darbietung musikalisch wie szenisch großartig. 23 Instrumentalisten, teilweise mit dem dirigierenden Albrecht selbst am Cembalo, agierten ungemein präzis und loteten jede Stimmung - festlich, lyrisch, angeberisch, verzweifelt usw. - ideal aus. Die auf das Publikum überspringende Lebendigkeit dieser originellen Produktion wurde mitgetragen vom Bachchor ....“ (Straubinger Tageblatt, 27.09.2010)
Münchner Klänge im Brixner Dom
Musik und Kirche: Meisterwerke sakralerMusikvon Schumann und Bruckner
„... Der Chor wird in diesem Werk (Anmerk.d.Red. Bruckner f-Moll Messe) aufs Äußerte gefordert. Herrliche Pianissimi wechselten ab mit kräftigen Tutti-Stellen, präsente Fugati-Einsätze mit lyrisch weich gestalteten Mittelteilen. ... Und über allem ein überzeugend agierender, rhythmisch klar bestimmender Hansjörg Albrecht.“ (Dolomitenzeitung Juli 2010)
„Singet dem Herrn ein neues Lied!“
Münchener Bach-Chor mit anspruchsvollem Programm in der Stiftsbasilika Waldsassen
„... Um Bachs Motetten schlagen nicht wenige einen Bogen. Nicht so der Münchener Bach-Chor, denn der Name verpflichtet. Zudem entstammt Chorleiter Hansjörg Albrecht der Dresdner-Kreuzchor-Tradition. Er hat seinen Bach von der Pike auf kennengelernt. Die kammermusikalische Strenge und Sorgfalt, mit der er die sechs Chormotetten nachzeichnete, zeugt von jahrelanger intensiver Auseinandersetzung mit Bachs Vokalwerk. Folgerichtig haben neben der Durchhörbarkeit der Partitur vor allem Verständlichkeit und Ausdeutung des Textes bei Albrecht oberste Priorität. ... Albrecht überzeugt nicht nur mit einer ebenso hochdifferenzierenden wie berührenden Ausdeutung der einzelnen Textzeilen ... Mit resoluten „Trotz“-Rufen oder funkelndem Konsonatengewitter beim „Ob es itzt gleich kracht und blitzt“ setzten die geschulten Sängerinnen und Sänger eindrucksvolle Effekte ....“ (Der Neue Tag, Oberpfalz, 15.06.2010)
„Komm, fürchte dich nicht!”
Münchener Bach-Chor konzertierte unter Hansjörg Albrecht in St. Nicolai
„...Der Chor ließ keine Zweifel aufkommen, dass er zur internationalen Spitze zählt.... Der Münchener Bach-Chor setzt das Wort-Ton-Verhältnis so um, dass es unter die Haut geht. Nichts geht verloren: der Text wird verständlich gesungen, Atmosphäre aufgebaut, Aussagen bekräftigt, Fragen beantwortet. Und alles geschieht mit einer Präzision aller Stimmgruppen. Jeder Einsatz einer Stimme, und liegt er noch so offen, hat seinen Charakter. .... Setzt Bach Kontraste mit fugenartigen Einsätzen, mehrstimmigen Choralsätzen oder Figurationen zu einem Cantus firmus, dann überrascht der Chor mit extremer Dynamik, besonders im Piano-Bereich, und dennoch bleiben die Worte verständlich und werden umso eindringlicher. ... Hansjörg Albrecht ist für den Münchener Bach-Chor ein Glücksfall, der diesen hervorragenden Chor zu einem auffälligen Juwel entwickelt hat.“ (Cuxhavener Nachrichten, 15.06.2010)
Bunte Vielfalt schlägt bei Oldenburger Promenade alle in ihren Bann
„Funkelnd und glanzvoll klingt es, wenn der Münchener Bach-Chor singt. Der traditionsreiche, von Hansjörg Albrecht geleitete Chor lässt die sechs Bach-Motetten in St. Lamberti erblühen. Federnd leicht setzt der Chor die Gewichte. ...“ (Oldenburger Nachrichten, 14.06.2010)
Das Stück und sein Mythos
„…bei Albrecht spiegelte alles Räumliche auch inneren Sinn, Struktur: Jesus als singulärer Quell des Ganzen im Zentrum, der Evangelist als sein Bote ihm vorgelagert; die Continuo-Gruppe als Fundament, Pulsgeber der Musik vorn in der Mitte; der (differenziert rollenspielende) Münchener Bach-Chor in strenge Zweichörigkeit geschieden durch den gemischten Kinderchor. … Die einzige „romantische" Geste Albrechts war atemberaubend: Alles hatte hingezielt auf das zentrale „Aber Jesus schrie abermal laut und verschied". Danach eine laaange Pause, dann „Wenn ich einmal soll scheiden" a capella. Da stand dieser Tod nackt und, für Sekunden, im Wortsinn gnaden-los im Raum. Das war im vollen Gewicht der Karfreitagsgedanke des gestorbenen Menschen, nicht des auferstandenen Jesus. Nach Albrechts Aufführung war man sprachlos, denn ihr ging es um innere Wahrheit.“ (Thomas Willmann, Münchner Merkur, 06.04.2010)
Packende Tragödie
Die Matthäuspassion mit dem Münchener Bach-Chor
„Die Aufführung der Matthäuspassion am Nachmittag des Karfreitags ist ja wesentlich eine säkularisierte Form der zeitgleichen Gottesdienste. Und im Falle des Münchener Bach-Chors selbst schon eine mächtige Tradition. Steht Hansjörg Albrecht am Pult, versteht man unmittelbar, warum. Konsequent deutet er die Passion vom biblischen Text her, als dessen Vergegenwärtigung und Erneuerung im Hier und Jetzt.
Mit geteiltem Chor wie Orchester, dem Bach Collegium München, setzt Albrecht die Doppelchörigkeit radikal um: Während die Chöre als Handlungsträger zupackend direkt agieren, erscheinen die gemeinsamen Choräle durch den mitsingenden Jugendchor klanglich neutralisiert, spiegeln auch altersmäßig eine Gemeinde. Der Dirigent, selbst am-Cembalo, verschmilzt schon optisch zur Einheit mit dem dort postierten Evangelisten. Und findet in Daniel Johannsen eine großartige Stimme seiner selbst: Jedes Wort mit Bedeutung füllend, ist Johannsen der seltene Fall eines Tenors, bei dem Leichtigkeit nicht mangelnde Kraft, sondern wirklich Timbre ist.
Ansonsten aber beglückt und berührt diese Matthäuspassion wie kaum eine zuvor. Über dreieinhalb Stunden hinweg entwickelt Albrecht einen nahezu visionären, stets noch flexiblen Zeitverlauf: Nach einem grandios zügigen ersten Teil verlangsamt er den zweiten zunehmend unerbittlich. Albrecht begreift Passion als Tragödie. Als gebe es kein Morgen mehr, keine Auferstehung.
Vom Münchener Bach-Chor aber wünscht man sich noch viele solcher Nachmittage.“ (Michael Stallknecht, Süddeutsche Zeitung, 06.04.2010)
Die andere Moderne
Enjott Schneiders Mozart-Derivate in der Philharmonie
„…Immerhin war das einleitende Mozart-Kyrie, KV 341, ein gelungenes Vorspiel zu Schneiders „At the edge of time - Reflections on Mozart's Requiem". Der Münchener Bach-Chor unter einem höchst inspirierten Hansjörg Albrecht ließ seine Potenzen schon ahnen. Noch intimer wurde es zwischen Schneider und Mozart mit einem Kyrie für Chor und zwei Bassetthörner als direkte „Einleitung" zum attacca folgenden Requiem Mozarts. Es passte gut - aber verflüchtigte sich schnell hinter dem Original. Das bestens abgestimmte Solistenteam (mit Simone Nold, Sopran, Anne-Carolyn Schlüter, Alt, und den Einspringern Bassbariton David Jerusalem und Tenor Ulrich Cordes) strahlte, aber ein großartiger Bach-Chor, furios im Forte, sensibel im Piano und präzise im Fugato zeigte, wer die dritte Hauptperson des Abends war.…“ (Klaus P. Richter, Süddeutsche Zeitung, 18.03.2010)
„Tal & Groethuysen versuchen gar nicht erst, Orchesterfarben zu imitieren, sondern musizieren so ernsthaft vom Klavierklang her, so wunderbar kammermusikalisch, wie sie zuvor schon Schuberts späte f-Moll-Fantasie auf feinste Kontraste ausgehört hatten. … Im Münchener Bach-Chor stehen die souverän ausgehörten Einzelstimmen in bester Balance. Hansjörg Albrecht dirigiert detailliert an Text und Partitur, arbeitet die Umbrüche in Tempo und Klangstärke dramatisch heraus. Chen Reiss fügt die Sopranarie mit betörender Süße ein …“ (Michael Stallknecht, Süddeutsche Zeitung, 04.02.2010)
Wege zur Erlösung
„…Ganz unabhängig von der Fassung sorgte Hansjörg Albrecht für eine sehr menschliche, intime, konzentrierte Darstellung des Werks. Der Trost, von dem es sprach, war kein überirdischer, war ein ganz realistisch zuversichtlicher. Da wirkten die guten Solisten Chen Reiss und Konstantin Wolff fast wie Fremdkörper, weil ihrer stimmschönen, detaillierten Gestaltung Theatrales anhaftete. Am eindringlichsten sprach dieses Requiem von der unumkehrbaren Vergänglichkeit: „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras" stand, auch dank Babette Haags hochdifferenziertem Paukenspiel, in flüsternder wie donnernder Gestalt eher drohend da. Der schönste Lohn für all das war das lange Schweigen, bevor der Applaus im Prinzregententheater losbrach.“ (Thomas Willmann, Münchner Merkur, 03.02.2010)