Münchener Bachchor
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Friede auf Erden

Da die Hirten ihre Herde ließen und des Engels Worte trugen durch die niedre Pforte zu der Mutter und dem Kind, fuhr das himmlische Gesind fort im Sternenraum zu singen, fuhr der Himmel fort zu klingen: "Friede, Friede! auf der Erde!"

Seit die Engel so geraten, o wie viele blut'ge Taten hat der Streit auf wildem Pferde, der geharnischte, vollbracht! In wie mancher heil'gen Nacht sang der Chor der Geister zagend, dringlich flehend, leis verklagend: "Friede, Friede ... auf der Erde!"

Doch es ist ein ew'ger Glaube, daß der Schwache nicht zum Raube jeder frechen Mordgebärde werde fallen allezeit: Etwas wie Gerechtigkeit webt und wirkt in Mord und Grauen, und ein Reich will sich erbauen, das den Frieden sucht der Erde.

Mählich wird es sich gestalten, seines heil'gen Amtes walten, Waffen schmieden ohne Fährde, Flammenschwerter für das Recht, und ein königlich Geschlecht wird erblühn mit starken Söhnen, dessen helle Tuben dröhnen: Friede, Friede auf der Erde!

Der Inhalt dieses berührenden und wahrlich aussagekräftigen Gedichts von Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898) wird in dieser Saison den roten Faden durch einen Großteil unserer Programme bilden. Fast alle geistlichen Werke von Bach bis zur Moderne handeln mehr oder weniger direkt von der Bitte um inneren und äußeren Frieden. In diesem Jahr hat der Münchener Bach-Chor erstmalig die geniale spätromantische Gedicht-Vertonung aus der Hand des leidenschaftlichen Bach-Verehrers Arnold Schönberg mit in sein Konzertprogramm aufgenommen. Auch in Bachs Weihnachtsoratorium heißt es "und Friede auf Erden": Wir bleiben unserem Kernrepertoire treu, doch wollen wir Sie, liebes Publikum, wieder mitnehmen auf eine Entdeckungsreise in die Welt der Verehrer und Nachahmer des großen Thomaskantors.

Seien Sie uns herzlich willkommen!
Ihr Hansjörg Albrecht